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Thailand: Die ungehemmte Entwicklung ist schuld an der verheerenden Dürre
Thailands verehrter Monarch
Bhumibol Adulyadej arbeitet dieser Tage bis spät in die Nacht: Trotz
seiner 78 Jahre unternimmt er Herkulesanstrengungen, künstlichen Regen zu
schaffen.
daniel kestenholz, bangkok
In den ansonsten fruchtbaren Flussbecken des Königreiches verdorren
derzeit ganze Aussaaten. Halbreife Früchte fallen von Stämmen. Die
Trockenheit hat 66 von Thailands 76 Provinzen befallen. Die traditionelle
zweite Reisernte in ansonsten fruchtbaren Gebieten fällt aus und Besitzer
von Früchteplantagen klagen, dass Ernten um bis die Hälfte zurückgehen
würden. In Eile werden landesweit derzeit rund 6000 neue Brunnen gebohrt.
Selbst stillgelegte, verschlammte Wasserquellen werden wieder angezapft.
Vielerorts ist aber selbst das Grundwasser versiegt. Die Menschen von Sam
Ngao im nördlichen Thailand leiden besonders: Rund 3000 Dorfbewohnern ging
über die vergangenen Wochen das Wasser vollends aus. Nach örtlichen
Berichten öffneten die Anwohner sogar Abflusskanäle und schöpften
Schmutzwasser in Kanister, um zu überleben.
«Mangel an Umweltverständnis»
Ein Beraterstab unter Altpremier Anand Panyarachun nannte das Problem
beim Namen: «Ungehemmte Entwicklung» sei verantwortlich für den Wassermangel
und die Dürre. Massive Abholzung habe zur Austrocknung der Böden geführt,
erklärt auch Wichai Jeephet, Direktor der Wasserbehörde im Gebiet des
Mondflusses. Derweil wundert sich die Bevölkerung im Becken des Mondflusses,
wie 25 Milliarden Kubikmeter Wasser, die der Fluss zu dieser Jahreszeit
ansonsten durchs Gebiet führt, einfach verschwunden sein können. Die
Antwort, so Wichai, sei einfach: Es herrsche ein kompletter Mangel an
Umweltverständnis.
Wo die Politik versagt, eilt der Monarch herbei
Premierminister Thaksin Shinawatra hat Schnelllösungen versprochen.
Innerhalb von sechs Monaten sollen Pläne vorliegen, wie die Wasserbestände
von Thailands 25 Wasserbecken zu verwalten seien, um in Zukunft
Trockenheiten zu verhindern, die den Agrarstaat dieses Jahr massive
Ernteeinbussen kosten. Ob die Regierung aber die Courage und Weitsicht
besitzt, entschlossen gegen Abholzung und die übermässige Inanspruchnahme
der Böden vorzugehen, ist zu bezweifeln.
Der geliebte Übervater der Nation hat sich zwar seit Jahren aus dem
Rampenlicht zurückgezogen. Doch weil die Politiker vor dem Naturphänomen der
Trockenheit kapitulieren, hofft die ganze Nation nun auf den König. Wie die
Tageszeitung «The Nation» schreibt, eilt der Monarch tagtäglich in «legerer
Kleidung und mit chemischen Formeln bewaffnet» ins Kommandozentrum der
künstlichen Regenmacher bei
Hua Hin. An zehn
Flughäfen sind unter den Anweisungen des Königs 45 Flugzeuge im Einsatz, um
Regenwolken zu ballen.
Regen für sein Volk ist eine Herzenssache des Königs. Bereits im Jahr
1955 hatte er das «Büro des Königlichen Regenmachens» initiiert und seither
unablässig an immer neuen Formeln geforscht, um Kunstregen zu schaffen. Im
Jahr 2002 patentierte er dann eine Methode zum Säen von Regenwolken: Mit aus
Flugzeugen abgeworfenem Silberjodid und Trockeneis wird Luftfeuchtigkeit
gebunden und heruntergekühlt, worauf die Feuchtigkeit kondensiert und sich
Regen bildet.
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