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VDI nachrichten, Bangkok, 12. 11. 04 -Geht es nach Thailands Regierungschef,
dann soll Bangkoks Personen- nahverkehrsnetz bis 2010 auf über 290 km
versiebenfacht werden. Mit Hilfe von Siemens wurden bereits erste U- und
Hochbahnprojekte realisiert. Doch sie reichen nicht bis in die Wohngebiete
und sind für die meisten Thais viel zu teuer.
Ohrenbetäubend röhrende Motorräder, knatternde Lkw und heulende Pkw
verschlucken immer wieder die Sätze von Horst Franzen - vor allem wenn die
Ampeln an Bangkoks Nord-Süd-Verkehrsader Ratchadapisek auf grün wechseln.
Dabei steht Franzen wenige Schritte neben Thailands erster U-Bahn, der MRTA
(Metropolitan Rapid Transit Authority), deren Linie nur zu einem geringen
Teil unterirdisch verläuft. "Noch ist Bangkok der Inbegriff des
Verkehrsalbtraums", räsoniert Franzen, Gesamtprojektleiter MRTA der
Transportation Systems von Siemens Thailand, "doch der Bau der Hoch- und U-Bahn
legte den Grundstein zur Auflösung der notorischen Verkehrsstaus."
Drei Jahrzehnte lang wurde über Personennahverkehrssysteme debattiert, bis
vor acht Jahren der Bau der privatwirtschaftlichen Hochbahn BTS (Bangkok
Transit System) und der öffentlichen MRTA begann. Thailands
Infrastrukturprojekte sind lukrativ. Doch auf dem aalglatten, politischen
Parkett Bangkoks rutschten schon globale Projektentwickler wie der
kanadische SNC-Lavalin-Konzern oder die Hongkonger Hopewell Holding aus.
Dagegen baute Siemens dank langjähriger lokaler Präsenz in Bangkok mit der
BTS und MRTA gleich zwei schlüsselfertige Verkehrssysteme. "Fast wären es
drei gewesen", lacht Franzen, "wenn Hopewells 60 km langes S-Bahn- und
Mautstraßenprojekt realisiert worden wäre." Für die Leitung dieses
visionären Megaprojekts kam er 1996 nach Bangkok. Heute erinnern nur noch
8000 Stahlbetonträger an die einst ambitionierte Verbindung zum
internationalen
Großflughafen Suvanabhumi am Ostrand Bangkoks.
Auf 12 m hohen Pfeilern schlängelt sich die 23,5 km lange Hochbahn durch die
Innenstadt. Mitte 1999 lieferte Siemens der BTS 35 vollklimatisierte
3-teilige Elektrozüge im Porsche-Design. Jörn Grasse, heutiger Vizepräsident
Transportation Systems von Siemens Thailand, war für die
Gesamtinbetriebnahme verantwortlich: "Unsere größten technischen
Herausforderungen in Bangkok sind tropische Temperaturen bis 40 °C, hohe
Luftfeuchtigkeit bis 95 % und allgegenwärtiger Staub." Was in Europas
Personennahverkehr Lüftung und Heizung sind, sind in Südostasien
leistungsstarke Klimaanlagen.
Während die Hochbahn nach 38-monatiger Bauzeit Ende 1999 in Betrieb genommen
wurde, verzögerte sich die Eröffnung der U-Bahn um drei Jahre bis Juli 2004,
da der Liefer- und Leistungsvertrag ihrer Ausrüstung erst Ende 2001 an
Siemens vergeben wurde. "Die Ausarbeitung des durchgehenden
MRTA-Betriebskonzepts nach dem Bau der Tunnelröhren und Stationen war
ungewöhnlich", erinnert sich Franzen, "zum Glück passten unsere
Zugkonfiguration und Anlagen in die bestehenden Strukturen."
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