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Der Hamburger Oliver Winter, 34, wird vom 6. bis 12. September versuchen, im
thailändischen Hua Hin
seinen Titel als Weltmeister im Elefantenpolo zu verteidigen. karriere
sprach mit ihm über den Wettkampf, über deutsche Disziplin und
Elefantenstuhlgang.
Herr
Winter, im September fahren Sie wieder nach Thailand zur WM. Bringen Sie
einen eigenen Elefanten mit?
Oliver Winter: Nein. Die werden geliehen. Für Pflege, Futter und
Teilnahme zahlt jedes WM-Team etwa 10.000 Euro. Das ist nur über Sponsoren
zu finanzieren. Viele davon sind internationale Unternehmen; sie nutzen das
Turnier als Werbeplattform.
Wie viel Futter braucht denn ein Elefant am Tag?
200 bis 300 Kilo.
Dann muss der ja pausenlos aufs Klo.
Ja, die scheißen permanent. Darum rennen im Spiel auch Helfer, Super
Pooper Scooper, über den Platz, die die Haufen wegmachen. Sonst bleibt der
Ball da immer stecken.
Wie reitet sich so ein Dickhäuter?
Man reitet ja nicht selbst. Auf jedem Elefanten sitzt vorne ein Mahoot,
ein Elefantenführer.
Und Sie dahinter?
Ja, festgeschnallt mit Stricken.
Aber dann sehen Sie doch gar nichts!

Das ist vor allem schwierig, weil der Elefant so groß ist. Man muss sich
links und rechts ziemlich runterlehnen.
Wie haben Sie das in Deutschland trainiert?
Wir haben eine Attrappe in der Größe eines Elefanten nachgebaut und
tagelang auf einer Hamburger Wiese geübt.
Und die echten Elefanten machen das alles klaglos mit?
Klar. Es macht ihnen sogar riesig Spaß. Anfangs hatten wir einen etwas
größeren Poloball. Den mussten wir dann verkleinern, weil die Elefanten mit
ihm Fußball spielten und wir überhaupt nicht mehr mitmachen konnten.
Wie verständigen Sie sich mit dem Elefantenführer? Auf Thailändisch?
Wir haben ihm ein T-Shirt angezogen, auf dessen Rückseite ein kleines
Wörterbuch Deutsch-Thailändisch gedruckt war. Zum Beispiel "leo sei" für
links, "leo kwa" für rechts oder "leo leo" für schnell. Das war unser
Vorteil. Die anderen Teams haben da ganz schön blöd geguckt.
Als teutonische Domäne ist diese Disziplin nun gerade nicht bekannt.
Ja, anders in Thailand. Da ist Elefantenpolo Volkssport. Da gibt's sogar
Profispieler. Dass wir, die deutschen Amateure, 2003 gewonnen haben, hat die
ziemlich geärgert.
Sie arbeiten als selbstständiger Fleischimporteur in Hamburg. Wie
kamen Sie zum Elefantenpolo?
Vor zehn Jahren ging ich für eine Groß- und Außenhandelsfirma nach
Thailand, gründete dort eine Internetplattform für Agrarprodukte, später
eine Obst- und Gemüse-Exportfirma. Mit einem Freund kam ich auf die Idee,
mit den Dickhäutern Weltmeisterschaften in Thailand auszutragen. Die erste
WM gab's vor drei Jahren.
Ihr Vorteil ist: Sie spielen Pferdepolo.
Ja, damit habe ich schon in meiner Schulzeit angefangen. Mein Vater und
meine zwei Brüder spielen auch. Mein Bruder Thomas ist seit Jahren auf der
Rangliste die Nummer eins im deutschen Polosport.
Hilft ihm nichts, Sie sind jetzt bekannter.
Anscheinend zählt nur das Exotische. Dass ich dieses Jahr auch Deutscher
Polo-Meister bin, nimmt fast keiner zur Kenntnis.
Ist Polo vielleicht zu schnöselig?
Vielleicht. Es ist aber kein Sport nur für Reiche. Pferde kann man für
wenig Geld mieten, und Schläger und Klamotten kosten wirklich nicht die
Welt.
Was haben denn die Elefanten vom Polo?
Wir haben im vergangenen Jahr 50.000 Euro Spendengelder für sie
zusammenbekommen. Für Futter und Pflege.
Und was bleibt für Sie übrig?
Spaß. Und ein zweifelhafter Ruf: Seit der WM 2003 nennt man mich in
Thailand den Franz Beckenbauer des Elefantenpolos.
Die Fragen stellte Martin Roos.
Oliver Winter wurde 2003 mit seinen deutschen Mitspielern Hugo und
Dirk Götz in Thailand erstmals Weltmeister im Elefantenpolo. Dieses Jahr
treten sie wieder an. In Ausscheidungsspielen (zwei mal zehn Minuten) jagen
sie mit einem 2,44 Meter langen Bambusschläger der Holzkugel nach. Jede
Mannschaft hat drei Spieler. Die Elefanten werden nach der Pause gewechselt,
damit kein Team sagen kann, es habe die schlechteren Tiere gehabt. |