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Das Auszählen der Stimmen nach der Parlamentswahl vom Sonntag
ist am Montag in Thailand langsamer als geplant vor sich gegangen. Die
Zentrale Wahlkommission verschob am Abend die Bekanntgabe des «provisorischen
Gesamtresultats» auf den Dienstag. Sie kündigte auch an, dass am Mittwoch in
zwei Wahlbezirken und am 21. Februar vermutlich noch in mehreren anderen
wegen «Unregelmässigkeiten»
Nachwahlen
stattfinden werden. Allerdings waren bereits am Nachmittag landesweit 63
Prozent aller Stimmen ausgezählt. Experten gingen davon aus, dass sich die
daraus errechnete künftige Sitzverteilung in der Volkskammer nur noch
unwesentlich ändern wird. Demnach hat die Partei Thai Rak Thai («Thais
lieben Thais», TRT) des populistischen jetzigen Ministerpräsidenten Thaksin
Shinawatra ihre Mehrheit wie erwartet massiv von bisher 296 auf mindestens
374 der insgesamt 500 Sitze ausgebaut. Die wichtigste Oppositionspartei, die
Demokraten (DP), werden noch zwischen 94 und 100 (bisher 126) Abgeordnete
stellen. Die Partei Chat Thai, bisher die Koalitionspartnerin in Thaksins
TRT-Regierung und mir 34 Sitzen vertreten, wird nur noch zwischen 20 und 25
Sitze besetzen. Die Mahachon-Partei, eine von konservativen Politikveteranen
gegründete Abspaltung der DP, hat nur gerade einen Sitz erobert.
Regierungspartei nur im Süden schwach
Zwar hat sich damit das Resultat einer Wählerumfrage, das am
Sonntag viel Aufsehen erregt hatte mit der Prognose, Thaksins TRT werde
sogar knapp vier Fünftel aller Sitze auf sich vereinen, nicht ganz
bewahrheitet. Dennoch ermöglicht das Ausmass des Erfolgs, dass Thaksin in
seiner zweiten Amtszeit beim Regieren nicht mehr auf die Hilfe anderer
Parteien angewiesen ist. Auch kann Thaksin fortan ohne Beihilfe die
Verfassung ändern. Dass er genau das tun werde, um seine persönliche Macht
weiter auszubauen, befürchten Kritiker des offensichtlich immens beliebten
Politikers. Viele Beobachter sagen ihm einen Hang zu autokratischer
Herrschaft nach.
Der Wahlsieger stellte sich am Montag mehrmals den Medien.
Thaksin nannte dabei «andauernde harte Arbeit» beim Versuch, den
Lebensstandard der thailändischen Unterschicht anzuheben, als das «Zaubermittel»,
das den in Thailands bisheriger Geschichte einmaligen Erfolg der TRT
ermöglicht habe. Er versprach, sich auch in der zweiten Amtszeit genauso
beharrlich für das Wohl der Ärmeren unter seinen Landsleuten einzusetzen.
Insgesamt wirkte Thaksin verständlicherweise sehr selbstzufrieden. Er gab
aber zu, von den Wahlresultaten im Süden des Landes doch enttäuscht zu sein.
Vorab in den drei seit Januar 2004 von einer wieder aufgeflackerten
Rebellion separatistischer Muslime erschütterten Provinzen an der Grenze zu
Malaysia, wo mittlerweile beinahe 700 Personen eines gewaltsamen Todes
gestorben sind, hat seine TRT nicht einen einzigen Parlamentssitz erobern
können. Drei Parlamentarier, die im Verlauf der letzten vier Jahre von der
DP zur TRT übergelaufen waren, sind neuen DP-Kandidaten unterlegen und haben
ihre Mandate verloren.
Köpferollen bei der Opposition
Umgekehrt hat die TRT in Bangkok, Wohnsitz des Grossteils des
Mittelstands und in früheren Zeiten eine Hochburg der DP, dieser Partei wie
schon vor vier Jahren, eine vernichtende Niederlage bereitet. Von 37
hauptstädtischen Mandaten hat sie vermutlich über 30 erobert, auf die DP
werden nur noch maximal 6 entfallen. Auf der Verliererseite setzte am Montag
denn auch das Köpferollen ein. Banyat Bantadtan gab am Nachmittag seinen
Rücktritt als Vorsitzender der DP bekannt. Der Parteivorstand werde einen
seiner Stellvertreter zum provisorischen Vorsitzenden ernennen, und innert
neunzig Tagen solle eine parteiinterne Neuwahl stattfinden. Damit wird fast
sicher ab Dienstag der bisherige Vize-Chef, Abhisit Vejjajiva, die DP führen.
Der erst 41-jährige, im Urteil der hiesigen Presse fotogene Politiker gilt
als Vertreter einer neuen Generation von DP-Mitgliedern. Diese haben zumeist
im Ausland studiert und sind mit Thailands Entwicklungsproblemen und der
prekären Lage der ländlichen Bevölkerung ebenso vertraut wie mit der
modernen Weltwirtschaft und den Finanzmärkten.
Zum «Abhisit-Flügel» gehört auch Apirak Kosayodhin, der
letzten Sommer im Wahlkampf um das Amt des Gouverneurs der Hauptstadt eine
von der TRT unterstützte Kandidatin besiegt hat. Abhisit war vor zwei Jahren
bei der Neubestellung der DP-Führung von den die Partei beherrschenden alten
Herren nicht mit dem obersten Amt betraut worden. Das entscheidende Argument
war damals, er sei noch «zu jung, zu naiv und zu unerfahren», um die DP zu
einem Wahlsieg gegen Thaksins TRT zu führen. Nach der katastrophalen
Niederlage der DP von Sonntag bekommt Abhisit nun die Chance, die Veteranen
in spätestens vier Jahren eines Besseren zu belehren.
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